Mercedes-Kurzhauber LAF 1113 -Informationen

     

*Werbung / Affiliate-Links

Hallo, hier ist wieder Eure Werkeline (plus fahrendem Anhang)!

in diesem Blogbeitrag möchte ich Euch einige Informationen über den Mercedes Kurzhauber LAF 1113 geben. In dem zugehörigen Video bin ich auf der Beifahrerseite hinter der Videokamera* auf einer Probefahrt mit einer alten Feuerwehr in A-Ausführung.

Eigentlich ist über diesen alten Lkw im Internet schon alles geschrieben worden und die Schnellen und Eiligen unter Euch brauchen an dieser Stelle auch nicht weiterlesen. Für alle wirklich Interessierten hat mein Freund Tino allerdings einige Infos die ich an Euch weitergeben möchte, die vielleicht schon ein bisschen in Richtung Insiderwissen gehen, und für den einen oder anderen entweder interessant oder vielleicht auch kaufentscheidend sein könnten.

Die Mercedes-Benz Kurzhauberstory ist eigentlich an sich schon eine Never Ending Story, denn dieses Fahrzeug wurde grob von 1958 bis ca. 1996 in einer Auflage von über 900.000 Exemplaren gebaut. Ganz grob 600.000 hier in Europa, insbesondere im Mercedes Werk Mannheim und weitere über 300.000 Exemplare als Teilesätze gefertigt, die dann vor allem in Südamerika zu Komplettfahrzeugen zusammengesetzt wurden. Somit ist diese Baureihe fast 40 Jahre mit überschaubaren Veränderungen gefertigt worden und die Produktionszahlen übersteigen so manche Pkw-Modelle dieses und anderer Hersteller.

Die Älteren unter uns, kennen dieses gemütlich aussehende „Fahrzeuggesicht“ noch aus dem Alltagsbetrieb als Kehrmaschine, Baustellen-LKW, Milchwagen. Für mich als Kind bekannt als „Aschentonnenauto“ 🙂 wie spannend war es jeden Freitag vom Küchenfenster aus zuzusehen, wie mit diesem knuffigen Auto die Aschentonnen entleert wurden. Bis in die heutigen Tage ist der Lkw vor allem als Feuerwehrfahrzeug und beim technischen Hilfswerk THW zu finden.

Bis auf wenige Ausnahmen ist der rundgelutschte mit Scheinwerfern in der Kühleroptik, ein heckangetriebener Lkw und der mit dem großen eckigen Gesicht und den Scheinwerfern außerhalb der Kühlermaske, der überall so beliebte Allrad-Lkw, für die Verwendung als Wüstenmobil und Fernreisefahrzeug.

Da auch die letzteren Exemplare langsam an die, oder über 30 Jahre gehen, werden gegenwärtig durch die VEBEG und auf ZOLLAUKTION vermutlich die letzten Fahrzeuge in überwiegend gutem Pflegezustand von den Behörden zum Verkauf angeboten. Viele die sich ein Allrad-Reisemobil zulegen und ausbauen möchten, liebäugeln mit einer dieser Knutschkugeln aus der Wirtschaftswunderzeit und das mit Recht: Denn dieser Lkw-Oldtimer hat eine ganz besondere Anmutung und bietet sehr viel Fahrspaß – ganz egal ob für Oldtimerfahrten oder als Wohnmobil genutzt. Grinsende Passanten am Straßenrand gratis on Top. 🙂

Eines der Hauptargumente das für den Kauf eines Mercedes Rundhauber immer wieder zu hören und zu lesen ist, ist die angeblich absolut lückenlose Ersatzteilversorgung. Hierzu kann ich bzw. mein Freund Tino nur eines sagen: DAS STIMMT NICHT (MEHR)!

In Zeiten von gnadenloser Ertragsmaximierung und einer extrem breitgefächerten Modellpalette die es in der Automobilindustrie früher so nie gegeben hat, besteht Handlungs- und vor allem Platzbedarf im Ersatzteillager von Mercedes-Benz. Mittlerweile ist es auch beim guten Stern auf allen Straßen ganz alltäglich, dass viele Ersatzteile von älteren Modellen und auch Teile von jüngeren Fahrzeugen, die nicht zum reinen Funktionserhalt notwendig sind, nicht mehr zur Verfügung stehen. Also bitte an alle zukünftigen Kurzhauberfans: Laßt euch kein dummes Zeug erzählen! Der Mercedes Kurzhauber ist, Stand 2018, ein Oldtimer und die Teileversorgung wird Schritt für Schritt schlechter und vor allem, langsam teilweise unbezahlbar.

Beispiel: Hella ist Erstausrüster für die Scheinwerfer, die übrigens auch beim VW T1 und vielen, vielen anderen verbaut wurden. Hella als Milliardenkonzern hat die Produktion trotz Oldtimerhype, mangels Nachfrage eingestellt. Mercedes hat, Stand Herbst 2017, noch rund 40 Exemplare je Seite lagernd. Dementsprechend Preiserhöhung von rund 50 € auf über 200 € pro Stück.. Glück gehabt, dass wir vorher gekauft haben…. 🙂

Was beim Kurzhauber definitiv kein Problem sein wird, ist die Ersatzteilversorgung vom Motor OM352. Denn dieser ist in einer unendlichen Stückzahl auch in anderen Mercedes Nutzfahrzeugen verbaut, und läuft auch als Schiffsmotor und für stationäre Notstromaggregate. Hier ist sicherlich vorbildliche Teileversorgung, aber wer rechnet schon mit einem Motorschaden?!? Gleiches dürfte für Getriebe & Co. gelten – das ist aber nur vermutet..

Hier einmal zwischendurch die Unterschiede zwischen Mercedes-Benz Kurzhaubern der A und der B-Serie.

                   

A-Kurzhauber haben folgende Eigenschaften:

  • eine flachere Windschutzscheibe
  • zwei gegenläufige Scheibenwischer
  • in der Regel keine Servolenkung
  • einen wunderschönen Hupenring am Lenkrad mit Blinkerbetätigung
  • teilweise Vorkammer-Dieselmotor Mercedes OM 321
  • teilweise Direkteinspritzer OM 352, bei Feuerwehr-Turboversion „nur“ 150 PS
  • Rischte-Ratsche Handbremse mit der ein Stahlseil gespannt wird
  • Sicherungskasten-Abdeckung in „original“. Kein Platz für Radio-Einbau
  • Mechanische Motorbremsbetätigung am Lenkstock
  • Leerlaufdrehzahlsteller in Kombination mit Motorbremse am Lenkstock
  • Die ersten Jahre keine Fußraumbelüftungsklappen
  • Blinker neben den Scheinwerfern, dann teilweise beide Blinker vorne. Am Radlauf oben mittig und am Scheinwerfer
  • Hydrair-Bremskraftverstärker mit Einkammer-Hauptbremszylinder
  • Druckluftbremsanschlüsse selten, wenn dann meines Wissens Einkreis-Anschluß
  • 12 Volt Bordelektrik
  • Typenbezeichnungen Anfangs: 322, 323, 328, dann 710, 911, 1113, Chromschriftzüge altmodisch schnörkelig.
  • Stauluftklappen oberhalb der Windschutzscheiben verchromt
  • Aschenbecher komplett verchromt
  • Heizungsmimik aus Zinkdruckguß
  • Handschuhfachschloß mit verchromtem Druckknopf
  • Flachere Instrumententafel
  • Graue Defrosterdüsen mit Aluzierleiste an der Windschutzscheibe (meist spröde)
  • Falls keine Feuerwehr, klassischer Fahrtenschreiber mit Uhr zum aufziehen
  • Ziffern auf Tacho am Glas gedruckt
  • Druckluftanlage 5,3 atü / bar
  • Bei OM 321: Kühlwassersystem mit 73 ° Solltemperatur, drucklos
  • Original-Peilstäbe mit weißer Kugel am Ende, Metallstange
  • Abblendschalter im Fußraum
  • Einstufiger Scheibenwischer, Gummibalg-Wischwasch-Pumpe
  • Einstufiges Heizgebläse
  • Motorhaubenstütze wird auf Kotflügel gestellt. Lackplatzer/Korrosion
  • Alte Feuerwehren wie beispielsweise METZ hat bis Mitte der 60er-Jahre zusätzlich noch mit Winkern bestückt. Leider meist ausgebaut.
  • Bei originalen Türen (nicht bei jeder Feuerwehr) Ausstellfenster /Dreieckfenster
  • Großer blauer Mercedes-Stern an der Motorhaube. Ganz früher aus einer Art Emaillebeschichtung, dann schön gemachte Kunstoffplakette mit grob 10 cm Durchmesser. Und ich, EURE WERKELINE, hat bei Mercedes-Benz in München am Frankfurter Ring 2017 das allerletzte weltweit verfügbare Exemplar gekauft. Aber wer noch eine braucht, ich habe einen Tipp…. 😉

               

B-Kurzhauber haben folgende Eigenschaften:

  • höhere Windschutzscheibe
  • 24 Volt Bordelektrik
  • drei Scheibenwischer
  • in der Regel Servolenkung
  • normaler Blinkerschalter mit Hupenknopf
  • ausschließlich OM352 Direkteinspritzer. Nur für Feuerwehren mit 169 PS Turbodiesel
  • Krückstock-Handbremse mit Bremsgestänge, lösen durch drehen
  • Sicherungskastendeckel ausgebeult für Radio-Nachrüstung
  • Motorbremse durch Fußbedienung, pneumatisch
  • Leerlaufdrehzahlsteller mittig in Motorabdeckung
  • Nette Eselsohren außen. Fußraumluftklappen… 
  • Blinker auf den Vorderradkotflügeln
  • Zweikreis-Bremsanlage ohne Federspeicher-Feststellbremse
  • Teilweise Druckluftbremsanschlüsse
  • Typenschilder am Auto 710, 911, 1113 und größere. Neue Mercedes Nomenklatur aus Leistung und Tonnage. Auf dem Papier L=Lastkraftwagen, A=Allradantrieb, F=Feuerwehrfahrzeug. Beispiel: Mercedes-Benz LAF 1113 B. Der mittlerweile meistverkaufte Feuwehr-Kurzhauber. Oder THW LA 911 B.
  • Aschenbecher außen Chrom, Deckel lackiert.
  • Schwarze Defrosterdüsen mit Aluzierleiste an der Windschutzscheibe (beides nicht mehr lieferbar)
  • Kunststoff-Peilstäbe mit pilzförmigem Kunststoff-Kopf
  • Mehrstufiger Scheibenwischer
  • Mehrstufiges Heizgebläse
  • Motorhaubenstütze wird in Rastschloß gesteckt
  • Eine kleine blaue Plakette an der Motorhaube, die das Wort Emblem nicht verdient.

 

So, hab ich Unterschiede zwischen den ursprünglichen Rundhaubern und den späteren Baujahren vergessen?!? Bitte meldet euch wenn euch etwas eingefallen ist..

Ich hoffe, das Kurzhaubervideo über die Probefahrt macht Euch ein wenig Spaß und ermutigt den einen oder anderen von euch dazu sich so einen schnuckeligen Oldtimer-Lkw zuzulegen. Ich könnte noch so viel über dieses Auto schreiben, aber ich bleibe jetzt bei: „Er macht einfach irre Spaß“!!!

Auch wenn es für uns nicht dieses Exemplar geworden ist, wir haben einen LF 322 als ehemalige Metz Feuerwehr gekauft und der wird dieses Jahr zur Bahnfeuerwehr umlackiert. Er wird uns dann für den Einsatz im Bayerischen Eisenbahnmuseum Nördlingen als fahrender historischer Werkzeugkasten dienen. Wir freuen uns schon drauf.

Und noch ein Tip: wenn Mercedes nichts mehr hat, dann schaut mal bei DT Parts vorbei. Die betreuen die südamerikanische Kurzhauberfraktion mit Ersatzteilen und die haben auch so Einiges auf Lager.

Bis bald

Eure Werkeline!

 

Hinter den mit (*) gekennzeichneten Links stecken Affiliate-Links.
Wenn Du ein Produkt über den Link kaufst, erhalte ich eine kleine Provision.
Für Dich ändert sich beim Einkauf nichts! 🙂

Du magst vielleicht auch

1 Kommentar

  1. Moin Werkeline,

    danke für den Hinweis mit dt-parts. 😉

    Zum vergessenen fällt mir beim B-Modell noch ein, dass ich bei meinen beiden eine pneumatisch betätigte VA/HA-Sperre und Geändeübersetzung habe. Unser LAF-1113 Bj’87 besitzt zwar die hydraulische, druckluftunterstützte Betriebsbremse, jedoch auch schon einen, mit dem alten Krückstock betätigten Federspeicher an der HA (Handbremse). Unser Neunelfer (Bj. 81) hat original auch Kugeln an den Peilstäben. Bei den Scheinwerfern „im Grill“ oder „außerhalb des Grills“ verfolgte MB bei den A-Modellen relativ konsequent „nicht Allrad“ und beim „Allradmodell“ (außerhalb des Grills). Das ist beim B-Modell offensichtlich nicht so, hier hat MB wohl in das Regal gegriffen und genommen, was da gerade da war…., grins… (Sterne halt, die an den Himmel gehören…)
    Mehr fällt mir beim Überfliegen Deines Textes momentan nicht ein.

    Viele Grüße, bleibt gesund,
    Frank K.-H. Rein

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.