Deutschland-Urlaub im Mercedes L319

 

5. Etappe: Weltkulturerbe Zeche Zollverein Teil 2

Hallo Zusammen!

Wir freuen uns sehr, dass wir Euch in unserem Urlaubs-Blog ein wenig neugierig auf unsere Deutschlandtour und im Speziellen auf unseren Besuch in der Zeche Zollverein machen konnten.

Nachdem wir Euch im letzten Beitrag den Mund schon wässrig gemacht haben und wir Euch von der gewaltigen Größe dieses stillgelegten Industrie-Areals in Essen vorschwärmten, möchten wir Euch heute, obwohl ja eigentlich schon alle tief in den Weihnachtsvorbereitungen stecken, ein paar visuelle Eindrücke vom Umfang und Ausmaß dieses ganz besonderen Ausstellungsgeländes deutscher Industriekultur geben.

 

Neben einem Bummel über die gewaltigen Außenanlagen, beginnt ein Besuch in der Zeche Zollverein mit einer langen Rolltreppenfahrt hinauf bis in die oberen Etagen der über 45 Meter hohen, ehemaligen Kohlenwäsche.

In diesem riesigen Gebäude sind große Teile der früheren Reinigungs- und Verladeanlage für die Steinkohle erhalten geblieben und bieten eine äußerst authentische Kulisse für verschiedene Ausstellungen rund um das Thema Bergbau im Ruhrgebiet.

In verschiedenen Etagen werden Zeitepochen des Kohleabbaus sehr anschaulich dargestellt. Angefangen von einer Fossilienausstellung über Ausgrabungsgegenstände aus der Zeit der ersten Metallgewinnung und der Bearbeitung zu Jagd- und Kriegswaffen, über die geschichtliche Entwicklung des Bergbaus von Erzen und Kohle, von der frühen Vergangenheit bis in die Gegenwart, ist alles dabei.

Aber nicht nur Freunde und Interessierte des Berufsbildes Bergmann kommen voll auf Ihre Kosten. Auch Technikgeschichte von der ersten Stadtbeleuchtung mit Gaslaternen bis hin zur künstlich hergestellten Margarine aus Steinkohle zur Zeit des dritten Reiches, sind fast alle Lebensbereiche abgedeckt. Vom Fahrradreifen aus Butylkautschuk bis zum gasbefeuerten Badeofen, von der emaillierten Suppenkelle bis zur Eisenbahn wird alles gezeigt und anschaulich erklärt.

Egal ob für Bayern oder Ostfriesen – Fischköppe oder Schluchtensch….: Allen „Nicht-Ruhrpottlern“ wird sowohl die Zeit der rauchenden Schlote der Stahlindustrie und der ‚schwatten‘ Fraktion der Kumpels hautnah präsentiert, als auch der strukturelle und kulturelle Wandel in einer der wirtschaftsstärksten Regionen Europas.

Kohlenzeche neben Schrebergarten, Stahlhütte neben Trinkhalle, Bullette oder Currywurst mit Pommes (neuruhrpottlerisch: Mantaplatte) – in den Dauerausstellungen der Zeche Zollverein werden die Besonderheiten dieser Region, der Menschen und ihrer Geschichte zum Greifen nah vermittelt. Was macht es aus – ein Gebiet mit so vielen „kleinen“ Leuten, so vielen „einfachen“ Arbeitern?!?

Es menschelt an jeder Ecke und das fühlt sich gut an….

Was gibt es sonst noch Schönes auf Zollverein zu sehen?!?  Nun ja, was wäre ein Kohlebergwerk ohne Kokerei dazu? Richtig! – nur die halbe Miete.

Neben der Steinkohle als Fertigprodukt zum Heizen, als Energiespender für Dampflokomotiven und anderen Energieverbrauchern, wurde die sehr hochwertige deutsche Steinkohle für die benachbarten Stahlhütten zu energiedichterem Koks veredelt. Die in Hochöfen ablaufende Redox-Reaktion von Eisenerz zu Rohstahl, erfordert einen hochwertigen und möglichst reinen Energielieferanten und dieser Koks wurde in der eigenen Kokerei auf Zollverein, sogar noch einige Jahre nach der Zechenschließung hergestellt. Aber da man Stahl aus Kostengründen mittlerweile auch fast nur noch im Ausland kocht, war hier in Essen 1993 ebenfalls Schluss mit der Kokerei Zollverein. Mögen uns Google, Apple, Amazon und Adidas noch ein paar Arbeitsplätze erhalten. Wo auch immer die sein werden…

Haben wir schon das alte Stellwerk vom ehemaligen riesigen Güterbahnhof für die unendlich langen Kohlenzüge erwähnt?! Kennt einer von Euch noch den Geruch von Stadtgas – einem aus Kohle hergestellten Gas für Straßenlaternen, Haushaltsherde, Gasheizungen und Badeöfen? ….. Kennt einer noch die Gasuhren von früher, in die man einen Groschen zum kochen oder heizen eingeworfen hat? ….. Kennt einer noch einen Groschen? …..

Zumindest kann man sich hier auf Zollverein die Reste der beiden riesigen Gasometer anschauen, in denen früher das Gas aus Kohle gelagert und auf Druck gehalten wurde.

Alles Schnee von gestern. Und wie einer unserer begnadeten deutschen Kabarettisten Jochen Malmsheimer bei seinem Auftritt „Wurstbrot“ (genial & sehenswert) einmal gesagt hat: Nichts war früher besser. ABER, es gab Dinge die waren früher gut. Und sie wären es auch heute noch, wenn man die Finger davon gelassen hätte…

Wie dem auch sei – Das Ruhrgebiet und im Besonderen die Zeche Zollverein, sind auf jeden Fall eine Urlaubsreise wert. Es bereichert, bringt Erstaunen, macht melancholisch, regt zum denken an, zeigt das knallharte Leben in der Vergangenheit und eröffnet Blicke auf Zukunftsmöglichkeiten. Machen wir das Beste daraus!

Die Ruhrkohle AG wünschte auf jeden Fall am 23.12.1986 ihren tausenden Bergleuten auf Zeche Zollverein ein geruhsames Weihnachtsfest – was sie dann auch hatten. Denn an diesem Tag wurde in diesem Essener Bergwerk, dem seinerzeit größten Steinkohlebergwerk weltweit, die letzte Steinkohle gefördert.

Wir beide legen jetzt ganz altmodisch ein paar Lausitzer Rekord-Brikett in unseren Kohleherd im Stellwerk Rosenheim, schmücken unseren Weihnachtsbaum mit altmodischem Silberlametta und kitschigem Glasschmuck in Dampflokform und hängen unsere ebenfalls fast historischen ‚Made in Germany‘ Osram-Lichterketten aus den wilden Sechzigern an unseren Christbaum….

…. und wünschen Euch allen FROHE WEIHNACHTEN!!!

Wenn wir uns im neuen Jahr wiedersehen, nehmen wir Euch mit auf unserem Besuch ins Eisenbahnmuseum Bochum-Dahlhausen. Wir zwei vom Bayerischen Eisenbahnmuseum müssen doch mal schauen, was die ‚Preissn so scheeens macha‘ … 😉

Eure Werkeline 🙂

 

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