Deutschland-Urlaub im Mercedes L319

 5. Etappe: Von Koblenz nach Essen

Weltkulturerbe Zeche Zollverein – Teil 1

Wir begrüßen Euch heute mal mit Servus und Moin Moin, denn genau in der Mitte zwischen Alpen und Nordsee liegt das nächste Etappenziel unserer diesjährigen Wohnmobiltour: die Stadt Essen im Ruhrgebiet. Wir haben es Euch ja bei unserem Beitrag über Koblenz schon angekündigt, dass wir beide wahnsinnig neugierig auf unser eigentliches Ziel im Pott waren, nämlich das Weltkulturerbe Zeche Zollverein. Nun nehmen wir uns vor Beginn eines jeden Blog-Beitrages vor: Fassen wir uns kurz! – Aaaber…… bei diesem Thema klappt datt nich !!! Ganz im Gegenteil! Dieses ehemalige Steinkohlebergwerk nebst angegliederter Kokerei ist schlicht und ergreifend GIGANTISCH !!!!!

Jeder, der schon einmal in einem kleinen Bergbaumuseum oder beispielsweise im Schaubergwerk des Deutschen Museums in München war, hat eine gewisse Vorstellung davon, wie so etwas normalerweise aussieht. Wir beide natürlich auch.

VERGESST ES !

Wir wurschteln uns also aus Koblenz kommend durch Ruhrpott-Autobahnen und den Großstadtverkehr Essens in Richtung Essen Stoppenberg. Als erste Anmerkung sei besonders von uns Münchnern gesagt: Ja, es gibt neben München, Hamburg und Berlin noch weitere Großstädte in Deutschland, und Essen ist eine davon. Ebenfalls gleich vorweg: Von Essen haben wir exakt nichts gesehen, denn alleine um die (noch erhaltenen) Anlagen von Zollverein anzuschauen, braucht man normalerweise glatte 2 Tage !!!

Wir kommen also am Haupteingang des Steinkohlebergwerks an, fahren am Besucherparkplatz vorbei und bleiben einfach auf dem Seitenstreifen stehen. Ausgerechnet vorm TÜV-Schulungscenter…  😀

Morgen ist deutsche Industriekultur angesagt und nicht das perfekte Naturerlebnis im Grünen. Einige Bekannte und Verwandte haben uns ja sowieso einen Vogel gezeigt, wie man denn in den zwei, drei Wochen kostbaren Sommerurlaubs ausgerechnet ins Ruhrgebiet fahren kann. Mir Bayern san hoid manchmal auch Deppen, denn hier gibt es so unheimlich viel zu sehen, dass das Ruhrgebiet einen kompletten Sommerurlaub wert gewesen wäre – oder ist – für alle die wir neugierig machen können…

Da wir beide ja auch schon zum etwas älteren Semester gehören, alle Schimanski-Tatortfolgen gesehen haben, gerne mal Pommes Schranke essen, gehört natürlich auch Herbert Grönemeyers klassisches Album „Bochum“ mit zu unserer CD-Sammlung. Und wer von Euch kennt nicht das Loblieb an seine Heimatstadt „Bochum“ und die markante Textzeile „Dein Grubengold hat uns wieder hochgeholt“, in der er die Wirtschaftskraft und den Wiederaufbau nach dem Krieg berechtigterweise ein gutes Stück weit der überwiegend ehemaligen Schwerindustrie im Ruhrgebiet würdigt.

Hier in Essen wird es jemandem von „anderswo“, wie uns beiden deutlich, warum es uns heute verhältnismäßig gut geht und warum wir neben Großbritannien maßgeblichen Anteil an der globalen Industrialisierung hatten. Nun mag man aus heutiger Sicht vor allem auf Umweltverträglichkeiten und Raubbau an der Natur darüber denken was man mag, Fakt ist zweierlei: Erstens wird in Deutschland seit November 2018 keine Steinkohle mehr abgebaut und zweitens wird die benötigte Steinkohle aus dem Ausland zugekauft, weil sie dort billiger ist. Soviel mal dazu.

Einen Sack Ibbenbürener Anthrazitkohle haben wir noch in unserem Stellwerk in Rosenheim und jetzt ist Schicht im Schacht im deutschen Steinkohlebergbau. Die Arbeitsplätze sind weg. Das CO2 nicht….

Zurück zu unserer Erkundung der Zeche Zollverein. Es ist Abend in Essen und es wird langsam dunkel. Vor lauter Vorfreude auf das was uns am morgigen Tag erwartet, streifen wir schon einmal etwas auf dem Gelände herum und siehe da: Es ist noch nicht alles dicht. In der sogenannten Waschkaue, dem Gebäude in dem die Kumpel (die Bergleute) Ihre Arbeits- bzw. Ihre Alltagskleidung aufbewahrt hatten und sich nach der Schicht duschen konnten, befindet sich heute ein interkultureller Veranstaltungsort mit dem Namen PACT Zollverein. Wer mehr darüber wissen möchte, bitte einfach mal auf die Homepage gehen.

Wir sind leider etwas spät, genießen aber in lauer Sommernacht umringt von historischen Bergwerksgebäuden über Tage ein Gläschen Wein bzw. eine Flasche Bier und lassen diese ganz spezielle Stimmung, die Industriedenkmäler nun einmal ausstrahlen, auf uns wirken. Auch hier gilt natürlich der gleiche Grundsatz wie bei Oldtimern oder historischer Eisenbahn: Dem einen geht´s am A…. vorbei – den anderen zieht´s magisch an.

Bei uns ist wie zu erwarten letzteres der Fall. Denn die riesigen Hallen sind alle grob geschätzt im Bauhaus-Stil und allein deswegen schon etwas besonderes. Und wer würde heutzutage schon einen solch riesigen Industriekomplex aus Klinkersteinen mauern?!?!

Ach ja, das Wahrzeichen der Zeche Zollverein ist natürlich der große Förderturm von Schacht 12, der übrigens, obwohl das Bergwerk bereits 1986 geschlossen wurde, auch heute noch dazu dient, Material und Personal in den Stollen einzufahren. Dort unten befinden sich nämlich riesige Pumpenanlagen, die bis heute das Grubenwasser abpumpen müssen. Ja, und genau dieses Wahrzeichen, welches wir im folgenden Bild als „Gigant westdeutscher Industriekultur“ genannt haben, ist im Größenvergleich zur ganzen Anlage der Zeche Zollverein ca. ein Stecknadelkopf.

VERSTEHT IHR LANGSAM WAS WIR MIT GIGANTISCH MEINEN ?!

Wir beenden den heutigen Abend in unserer Knutschkugel und starten den langersehnten Besuchertag auf Zollverein mit einem deftigen Frühstück. Und da uns ein riesiger Maschinenpark, mehrere Bergbau-Ausstellungen und eine Gesamtaußenfläche der Anlage von 100 ha ! erwarten, muss es heute besonders deftig sein. Mit Rühreiern und Speck verabschieden wir uns heute und würden uns freuen, wenn ihr auch den zweiten Teil von „Zeche Zollverein“ mit anschauen würdet.

Glück auf !

Eure Werkeline 🙂

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